Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Donnerstag, 27. Januar 2011

17.30 Uhr STATIO AM MAHNMAL (Reichensperger Platz)

18.00 Uhr GEDENKSTUNDE IN DER FLORINSKIRCHE

MIT CHRISTLICH-JÜDISCHEM GEBET

Erinnerung bewahren – Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939 – 1945

Zum 66. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz wird speziell der polnischen Sklaven- und Zwangsarbeiter, die in Koblenz und Umgebung während des Zweiten Weltkrieges arbeiten mussten, gedacht.
Gezeigt wird dazu die Wanderausstellung „Erinnerung bewahren – Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939 – 1945“ mit 42 Tafeln..
Die von der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ präsentierte Ausstellung arbeitet die allgemeine Thematik in ihren vielfältigen Facetten systematisch auf und illustriert sie. Sie hat als Motto die Worte, die in das Denkmal für die Opfer des NS-Jugendverwahrlagers in Lodz eingemeißelt sind: „Man hat Euch das Leben genommen, heute schenken wir Euch einzig unsere Erinnerung“. Gezeigt wird in ihr die deutsche Besatzungspolitik gegenüber den Bürgern Polens. Die Ausstellung enthält Informationen, Zahlen und Fakten zur Zwangsarbeit, zu Konzentrationslagern, zu Aussied-lungen und zur „Germanisierung“. Fotos und Dokumente sowie Briefe aus den Lagern bringen das Schicksal einzelner Menschen und deren Familien näher. Wir finden hier Fotos und Briefe von Überlebenden und von denjenigen, die niemals zurückgekehrt sind, darunter – wohl die erschütternsten – Briefe von Kindern an ihre Eltern. Gezeigt werden auch Verordnungen und Bekannt-machungen der Besatzungsbehörden, Informationen über Schikanen und Strafen bis hin zu Massenexekutionen.

Die Ausstellung ist bis zum 6. Februar im Rathaus I, Eingang: Tourist-Information, zu sehen von
montags bis donnerstags von 8.00 – 17.30 Uhr und freitags von 8.00 – 15.30 Uhr.

Veranstalter:
Förderverein Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus Koblenz e.V.
in Kooperation mit der Stadt Koblenz und der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz.

Polnische Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge in Koblenz und Umgebung 1939 - 1945

In diesem Jahr zeigt der Förderverein Mahnmal Koblenz e.V. die Wanderausstellung zum 27. Januar auch wieder mit einem regionalen Teil.

In ihm werden unter dem Titel

„Die Erniedrigungen, die Folter, die unmenschliche Behandlung – es war die Tragödie meines Lebens“


14 Lebensbilder präsentiert. Es sind dies:

  • Ignacy Gmerek aus Großpolen in Koblenz
  • Henryk K. aus Warschau in Ochtendung
  • Czeslaw Wawrocki aus Masowien in Uersfeld bei Mayen
  • Franciszek Matczak aus Großpolen in Engers/Rhein
  • Jan Nowogrodzki aus der Nähe von Lublin in Montabaur
  • Stanislaw Studzinski aus Warschau in Dernau/Ahr
  • Valentin G. aus der Nähe von Krakau in Molzig bei Kaisersesch
  • Stanislaus Kowalski aus Großpolen in Bad Kreuznach
  • Marian Abramski aus Masowien in Briedel/Mosel
  • Norbert Widok aus Großpolen in Bassenheim
  • Franciszek Skoczen aus Warschau in Marienthal/Ahr
  • Mieczyslaus Jankowiak aus Großpolen in Zell/Mosel
  • Edward C. aus der Nähe von Lublin in Engers/Rhein
  • Edmund W. aus Großpolen in Alf/Mosel

Diese Biografien zeigen, wie polnische Staatsangehörige anfangs oft freiwillig, später unter Zwang in das Deutsche Reich zur Arbeit kamen und sich dann ihre Lage durch Rassismus und Terror immer weiter verschärfte. Porträtiert werden Menschen, die unter erniedrigenden und sehr harten Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten, die wegen Nichterbringens der geforderten Arbeitsleistung und –disziplin in Gestapohaft kamen, die wegen Kleinkriminalität, Heimweh und Flucht in Konzentrationslager verschleppt und die wegen verbotenen Umgangs mit deutschen Frauen ermordet wurden, sowie KZ-Häftlinge, die Sklavenarbeit verrichten mussten.


Gedenken zum 27.Januar:

Statio am Mahnmal - Reichensperger Platz mit Oberbürgermeister Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig und Schülerinnen und Schülern der Diesterweg- und Hans-Zulliger-Schule

Gedenkstunde in der Florinskirche

Präludium und Fuge in G-Dur von Johann Sebastian Bach - Dr. Auge (Orgel)


Begrüßung Vorsitzender des Fördervereins Mahnmal Koblenz Dr. Frank Tiedemann

Präludium und Fuge in D-Dur von Johann Sebastian Bach - Dr. Auge (Orgel)

Ansprache Oberbürgermeister Prof. Dr. Hofmann-Göttig

Kyrie von Greg Gilpin - An Irish Blessing von James E.Moore (Singkreis 70 Koblenz)

Wortbeitrag von SchülerInnen des Asterstein-Gymnasiums Koblenz

Im Anschluss an die Gedenkstunde in der Florinskirche ist die Ausstellung im Rathaus I für einen Besuch geöffnet.

Notre Père von Maurice Durufle - You Raise Me up von Lovland und Graham (Singkreis 70 Koblenz)

Christl.-Jüd. Gebet
Superintendent Rolf Stahl (Evangelische Kirche)
Dechant Eugen Vogt (Katholische Kirche)
Pfarrer Ralf Staymann (Altkatholische Kirche)
Kantor Joseph Pasternak (Jüd. Kultusgemeinde)

Im Anschluss an die Gedenkstunde in der Florinskirche ist die Ausstellung im Rathaus I für einen Besuch geöffnet.

 


Eröffnung der Ausstellung
„Erinnerung bewahren – Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939 - 1945“


Am 13. Januar 2011 wurde im Historischen Rathaussaal in Koblenz die Ausstellung eröffnet.
In seiner Begrüßung sprach der Oberbürgermeister der Stadt Koblenz Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig davon, dass die Ausstellung dazu beitragen soll, die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und an die Verbrechen des „Dritten Reiches“ zu bewahren. Nur so könne es eine gemeinsame Zukunft zwischen den Nachbarn Deutschland und Polen geben. Er ging auch darauf ein, dass er selbst schon zu der Nachkriegsgeneration gehöre. Das sei aber kein Grund, nicht die Erinnerung an das schreckliche Leid aufrecht zu erhalten, das die Nazis und ihre Helfer über fast ganz Europa gebracht hätten.

Von links:
Dr. Heinz Georg Bamberger, Prof. Dr. Hofmann-Göttig, J. Hennig, Dariusz Pawlos

Danach begrüßte der stellvertretende Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Joachim Hennig die Gäste und erläuterte kurz die wichtige Aufgabe der Erinnerungsarbeit.
Am Anschluss daran bot der Koblenzer Musiker Kazimierz Dawidek ein virtuoses Stück für Solooboe der zeitgenössischen polnischen Komponistin Anna Zawadzka-Golosz.
Justizminister Dr. Heinz Georg Bamberger erinnerte eindringlich daran, dass in der NS-Zeit drei Millionen Polen aus ihrer Heimat verschleppt wurden, die meisten zur Zwangsarbeit ins Deutsche Reich. Dazu führten die Deutschen bereits Ende Oktober 1939 in Polen die Arbeitspflicht ein. Von dieser Zwangsarbeit hätten besonders die deutschen Betriebe und Konzerne profitiert. Bamberger erinnerte auch an die Feststellung von Fritz Stern, wie sehr es schmerze, dass so viele Menschen so viel Unrecht schweigend akzeptiert hätten.

Auch ging er auf die Rolle der Justiz im Nationalsozialismus ein. Versöhnlich konnte er aus seiner eigenen Familie aber feststellen, dass ein polnischer Zwangsarbeiter im Odenwald nach dem Krieg in Deutschland blieb.
Danach sprach Konsul Piotr Piotrowski vom Generalkonsulat der Republik Polen in Köln ein Grußwort. Insbesondere bedankte er sich für die in Koblenz bisher schon geleistete Arbeit zur Erinnerung und zur Versöhnung zwischen den Menschen beider Völker.

Sodann gab der Vorstandsvorsitzende der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“

Dariusz Pawlos eine kurze Einführung in die Arbeit der Stiftung und in die von ihr erarbeitete Ausstellung. Dabei stellte er als Aufgabe der Stiftung insbesondere heraus, die letzten überlebenden Opfer der NS-Diktatur in Polen in der Bewältigung ihres Alltages zu unterstützen. Sie hätten die besten Jahre ihres Lebens durch die Sklaven- und Zwangsarbeit für die Nazis verloren – nur wenige hätten das „Glück“ gehabt, als Menschen behandelt zu werden. Diese NS-Opfern sollten wenigstens jetzt im hohen Alter in ihrem Lebenswillen wenn auch nur punktuell und symbolisch gestärkt werden. Abschließend bedankte sich Herr Pawlos ausdrücklich bei Herrn Hennig für die sehr gute Zusammenarbeit.

Zum Abschluss dieser sehr würdigen Veranstaltung trug Herr Kazimierz Dawidek das Stück „Serpentine“ for oboe solo der polnischen Komponistin Krystyna Moszumanska-Nazar vor. Er setzte damit einen ganz außergewöhnlichen Akzent und stimmte die Zuhörer in ganz beeindruckender Weise auf die Thematik der Ausstellung ein.

Noch bewegt von diesem zeitgenössischen Klangstück führte Herr Jakub Deka von der Stiftung „Polnisch-Deutsche Aussöhnung“ zahlreiche Besucher durch die Ausstellung „Erinnerung bewahren – Sklaven- und Zwangsarbeiter des Dritten Reiches aus Polen 1939 – 1945“.

Dabei erläuterte er den Aufbau und die Schwerpunkte der Ausstellung, die bis zum 06. Februar 2011 im Rathaus Koblenz am Jesuitenplatz (Eingang Tourist-Information) zu sehen ist.

Öffnungszeiten:
Montag bis Donnerstag von 08.00 bis 17.30 Uhr
Freitag von 08.00 bis 15.30 Uhr



von links:
Piotr Piotrowski, Dariusz Pawlos, Dr. Heinz Georg Bamberger, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig


von links: Vorstandsmitglied Alexander Wolff, der Oboist Kazimierz Dawidek, Joachim Hennig

Bürgerbeauftragter des Landes Rheinland-Pfalz Dieter Burgard (links) im Gespräch mit Konsul Piotr Piotrowski


Bericht/Fotos: Bodo Zielinski



 

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