Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Auszeichnung für unser Mitglied Elmar Ries

Zum Abschluss der diesjährigen Woche der Brüderlichkeit wurde Herrn Elmar Ries aus Koblenz der Pater Paul Eisenkopf-Preis der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit Koblenz verliehen. Elmar Ries ist seit vielen Jahren in der Gedenkarbeit in Koblenz und Umgebung vor allem für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus und ihrer Angehörigen aktiv. Ries war mehrere Jahre Vorsitzender der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit und Vorstandsmitglied des Fördervereins Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz. Auch heute noch ist er Mitglied unseres Vereins. Als früherer Lehrer (an der Clemens-von-Brentano-Realschule in Koblenz) liegt Elmar Ries gerade die Arbeit mit Jugendlichen am Herzen. Seine Projektarbeit an Schulen hat wesentlich zur Errichtung von kleinen Gedenkstätten in Friedrichssegen und Lahnstein beigetragen. Vor allem für Jugendliche hat er das Buch "Wozu Menschen fähig sind - Die Reichspogromnacht 1938 in Koblenz" (Koblenz 1988) geschrieben. Darüber hinaus hat er in der leider nicht mehr existierenden Zeitschrift "Sachor - Beiträge zur jüdischen Geschichte und zur Gedenkstättenarbeit in Rheinland-Pfalz" mehrere Aufsätze veröffentlicht. Zu erwähnen ist insbesondere der Beitrag "Die Deportationen von jüdischen Mitbürgern aus Koblenz und Umgebung", in: Sachor, Heft 5 (1993), S. 32 - 45. Heute noch führt er Besuchergruppen zu den jüdischen Einrichtungen in Koblenz und Umgebung und ist für die jüdische Gemeinde in Koblenz aktiv. Auch von hier aus herzlichen Glückwunsch an Elmar Ries!

Einen Artikel der Rhein-Zeitung finden Sie HIER


Zeitzeugengespräch in der Bischöflichen Realschule Koblenz

Die Geschichtslehrerin Frau Christiane Kruppa begleitete Herrn Werner Appel in das Musikmodul der Schule, in dem schon zwei zehnte Klassen auf ihn warteten, um seine Lebensgeschichte zu hören. Etwa 60 Schülerinnen und Schüler folgten gespannt seinen Ausführungen, denn wann kann man schon einmal von einem Zeitzeugen erfahren, wie es in der schrecklichen Zeit von 1933 bis 1945 einem aus der Gesellschaft Ausgestoßenem erging.

Frau Kruppa hatte die Schülerinnen und Schüler sehr gut vorbereitet. Werner Appel erzählte seine Geschichte, wie er es schon oft getan hatte.
Die einzelnen Stationen seines Lebens hinterlassen doch einen nachhaltigen Eindruck. Er wurde 1928 in Koblenz geboren. Der Vater wurde durch die Gestapo 1936 zu Tode geprügelt. In den Rassegesetzten von 1935, den sog. Nürnberger Gesetzen, dem „Reichsblutschutzgesetz“ und dem „Reichsbürgergesetz“, wurde durch die Justiz klar geregelt, was unter einem Voll-, Halb- oder Geltungsjuden zu verstehen war. Bis Mitte 1939 durfte er zur Schule gehen, dann musste er die Schule verlassen.
Er trug mit seiner Arbeit entscheidend dazu bei, dass seine Familie überleben konnte. Für die Familie Appel war es eine unglaublich schwere Zeit, die nur die Mutter, Werner Appel selbst und seine zwei Schwestern überlebten.
Bei der Köln-Düsseldorfer konnte er auf dem Raddampfer „Vaterland“ als Küchenhilfe arbeiten. Als er aber sein Arbeitsbuch vorlegen musste, war es damit vorbei, denn in seinem Arbeitsbuch war ein riesiges J eingedruckt und als Jude durfte er diese Beschäftigung nicht ausüben.
Bei dem Schausteller Theo Ehrhardt fand er dann Arbeit, der ein Fahrgeschäft hatte. Mit ihm war Werner Appel dann im Saarland, Rheinland und auch in Luxemburg unterwegs. Herr Ehrhardt versorgte auch seine Mutter und die beiden Schwestern, die am Laacher See und in Oberfell versteckt waren. In der Winterzeit 1944/45 wurde das Fahrgeschäft in die alte Ziegelei Metternich ausgelagert. In einem alten Brennofen hatte Herr Ehrhardt ihm ein Versteck eingerichtet. Dort war er bis zum Einmarsch der Amerikaner.
Besonders wichtig war es Werner Appel darzustellen, dass es neben den vielen Unterstützern und Mitläufern des schrecklichen NS-Regimes auch eine ganze Anzahl von Menschen gab, die sich nicht darum kümmerten, dass es verboten war Juden zu helfen.
Dann erzählte er auch noch von den Schwierigkeiten, die ihm nach dem Krieg begegneten. Sein Weg nach Bergen-Belsen, die Überfahrt nach Palästina, seine Militärzeit in Israel, die Wohnungssuche in Koblenz und seine Zeit in Berlin.
Ganz wichtig war es aber Herrn Appel zu zeigen, dass eine Wiederholung der Ereignisse verhindert werden muss.

Nach einer kurzen Pause kamen dann Frau Birgitt Hennchen und Frau Gabriele Gebhardt mit ihren Klassen.
Auch diese Klassen waren sehr interessiert und man merkte, dass die Schülerinnen und Schüler sehr gut auf dieses Thema vorbereitet waren.
Es wurden noch einige Fragen gestellt, z.B.:
Wovor hatten Sie am meisten Angst? Antwort: Am meisten fürchtete ich mich vor den Männern mit den Ledermänteln, da musste man einen großen Bogen drum machen, das waren die Männer von der Staatssicherheit.
Oder die Frage: Haben oder hatten Sie Rachegefühle? Antwort: nur gegen Einzelne, gegen den Staat an sich nicht, der war ja viel zu anonym.

Die gespannte Aufmerksamkeit, das Interesse an der Lebensgeschichte Werner Appels und die vielen Fragen, die gestellt wurden, bewiesen, dass die Klassen durch ihre Geschichtslehrerinnen sehr gut vorbereitet waren.

Am Endes seines Vortrages appellierte er an die jungen Schülerinnen und Schüler: „Es liegt in euren Händen, die Demokratie zu erhalten! Die Demokratie ist zwar die schwierigste Staatsform, aber auch die beste!“

Im abschließenden Gespräch bedankten sich der Schulleiter Herr Johann, Frau Kruppa und Frau Hennchen für die Bereitschaft Werner Appels sich als Zeitzeuge zur Verfügung zu stellen.

© Text und Bilder Bodo Zielinski


 

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