Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

Informationen von 2018

Zeitzeuge Werner Appel ist Pater Paul Eisenkopf-Preisträger.

Am 11. März 2018 – zu Beginn der Woche der Brüderlichkeit – hat die Christlich-Jüdische Gesellschaft für Brüderlichkeit den Pater Paul Eisenkopf-Preis 2018 an Herrn Werner Appel verliehen. Werner Appel wurde im Jahr 1928 in Koblenz geboren und musste wegen seiner jüdischen Herkunft schon in ganz jungen Jahren Diskriminierungen und Verfolgung erleiden. Mit großem Geschick und Unterstützung durch „stille Helfer“ gelang ihm aber ein Überleben in Koblenz während der NS-Zeit. Nach einem bewegten Berufsleben ist Werner Appel, der seit Jahren Mitglied unseres Fördervereins ist, ein gefragter Zeitzeuge, der immer wieder über sein Leben und Überleben in Koblenz berichtet und zu Versöhnung, Toleranz friedlichem Miteinander in einer demokratischen Gesellschaft mahnt.

In einer eindrucksvollen und würdigen Feierstunde im Historischen Rathaussaal der Stadt Koblenz begrüßte die Kulturdezernentin der Stadt, Frau Dr. Margit Theis-Scholz, die sehr zahlreichen Gäste.


Foto: Dr. Margit Theis-Scholz


Zur Verleihung des Pater Paul Eisenkopf-Preises sprach der Vorsitzende der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit, Pfarrer Wolfgang Hüllstrung.


Foto: Pfarrer Wolfgang Hüllstrung


Die Laudatio auf den Preisträger Werner Appel hielt unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig.

Laudatio auf Herrn Werner Appel zur Verleihung des Pater Paul Eisenkopf-Preises am 11. März 2018

von Joachim Hennig

Lieber Werner Appel,

sehr geehrte Frau Dr. Theis-Scholz,

sehr geehrter Herr Hüllstrung,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir sind heute Vormittag hier in der „guten Stube“ von Koblenz zusammengekommen, um zu danken, um anzuerkennen und um zu feiern. Solche Anlässe wie heute sind selten, viel zu selten. Oftmals kommen wir alle, die wir uns ja weitgehend kennen, zu bedrückenden und traurigen Anlässen zusammen und gedenken der Toten, der Opfer des Nationalsozialismus in und aus Koblenz und Umgebung. Heute nun ist alles anders – wir sind zu Ehren Werner Appels beisammen, einem Koblenzer Schängelscher, der kurz vor seinem 90. Geburtstag und in geistiger Frische für seine Lebensleistung ausgezeichnet wird. Ich freue mich sehr, hier dabei sein zu dürfen.

Werner Appel und ich haben uns vor vielen Jahren, es war zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar 2004 über dieses Foto kennen gelernt. Es ist eines der typischen Einschulungsfotos und doch nicht typisch. Es zeigt die 1. Klasse der Castorschule Ostern 1934. Mit dabei ist Werner Appel. Wegen seiner schon damals beträchtlichen Größe steht er im Bildhintergrund. Mit dabei sind auch zwei jüdische Klassenkameraden und der vor einigen Jahren verstorbene Werner Gottwald, mit dem Werner Appel bis zuletzt Kontakt hatte. Ein Hingucker ist die „Nazifahne“, die der Lehrer, ein gewisser Berlin, für das Foto mitgebracht hatte.

Dieses Foto weckte natürlich bei mir Neugier und es gab viele Fragen, die Werner Appel damals und auch später immer gern und eingehend beantwortete. So angestoßen berichtete er auch von sich aus vieles aus seinem Leben und dem seiner Familie. Das war immer wieder ein Erlebnis für mich, war und ist Werner Appel doch der einzige jüdische Zeitzeuge, der von der Nazizeit in Koblenz berichten kann und dies auch nach vielen, vielen Jahren mit einem Detailreichtum und einer Glaubwürdigkeit tut, die immer wieder Erstaunen und Bewunderung hervorrufen.

Die schöne und behütete Kindheit war für Werner Appel in Koblenz bald mit der Machtübernahme der Nazis am 30. Januar 1933 beendet. Einen Eindruck vermittelt schon das Einschulungsfoto – was mussten der kleine Werner und seine beiden jüdischen Klassenkameraden von diesem fanatischen Nazi-Lehrer nicht alles erleiden?! Sie saßen in der letzten Bank, durften sich nicht am Unterricht beteiligen und ihre Arbeiten wurden nicht oder nur negativ bewertet.

Und der kleine Werner bekam auch noch die Schikanen mit, die seine Eltern erlebten. Diese betrieben die Fremdenpension „Rheinperle“ im Castorhof 4. Sein Vater Adolf war Jude, er hatte eine Katholikin, Gertrud Patrosio, geheiratet, die dann zum Judentum übertrat. Seit dem „offiziellen“ Judenboykott am 1. April 1933 wurde ihre Pension schikaniert, die Fensterläden etwa wurden mit antijüdischen Symbolen beschmiert. Wenn sie Strafanzeige erstatten wollten, schickte man sie weg. Die Polizei ging der Sache nicht nach, sondern gab nur den „guten Rat“: „Kommt, macht doch die Schmierereien selbst weg.“ Nach den sog. Nürnberger Gesetzen vom 15. September 1935 erschien in dem Koblenzer Nationalblatt die „Judenliste von Koblenz“. Darin wurden die Namen der jüdischen Geschäfte, Kanzleien, Betriebe sowie deren Anschrift aufgeführt. Die Liste war zum Ausschneiden und Mitnehmen beim Einkauf und rief zum Boykott auf. Aufgeführt war dort auch im Castorhof 4 die Fremdenpension Rheinperle. Der kleine Werner – damals 7 Jahre alt – stemmte sich noch gegen diese Diskriminierung und den drohenden wirtschaftlichen Ruin und wollte der Gestapo klar machen, dass die Rheinperle kein jüdischer Betrieb ist. Aber vergebens.

Ende 1935 geriet Vater Adolf aufgrund einer Fehlinformation in das Fadenkreuz der Koblenzer Gestapo. Man wollte ihn wegen „kommunistischer Umtriebe“, die ja streng verboten und bestraft wurden, belangen. Man konnte ihm aber nichts nachweisen – versuchte es aber immer wieder. Bei der Hausdurchsuchung stieß man ihn so heftig die Treppe hinunter, dass er schwer verletzt wurde. Weitere Verhöre und Misshandlungen folgten. Schließlich musste er ins Krankenhaus Kemperhof. Dort verstarb er im Frühsommer 1936 an den Folgen der Misshandlungen.

Adolf Appel hinterließ seine Frau Gertrud und drei kleine Kinder. Werner hatte inzwischen zwei Geschwisterchen bekommen: seine 1934 geborene Schwester Ruth und seine 1936 geborene Schwester genannt Marlene. Ich freue mich sehr, dass diese beiden heute unter uns sind. Ganz herzlich willkommen Ruth Homrighausen und Marlene Berger.

Nach dem Tod des Vaters war die familiäre Situation sehr prekär. Die junge Witwe musste sich und die drei kleinen Kinder durchbringen. Die Mutter von Werner, Ruth und Marlene ging abends putzen. Während dieser Zeit hatte Werner auf die beiden Schwestern aufzupassen. Er trug auch zum Familieneinkommen bei, indem er für einen Bäcker Brot und andere Backwaren ausfuhr. Das war für ihn als noch nicht einmal 10-Jährigem aber ein hartes Stück Arbeit, musste er doch mit dem Fahrrad etwa den Berg zur Karthause hoch fahren.

Die Familie, die damals in der Eltzerhofstraße wohnte, erlebte dann den Novemberpogrom am 9./10. November 1938 hautnah. Die Mutter schickte Werner noch auf die Straße – ihn musste man bestimmt nicht groß bitten -, um das Geschehen zu beobachten und darüber zu berichten. Noch heute ist Werner Werner Appel ein authentischer Zeuge dieser Verbrechen, die sich in diesem Jahr zum 80. Mal jähren.

Am Tag nach dem Pogrom war für den kleinen Werner der letzte Schultag. Alle jüdischen Kinder mussten die öffentlichen Schulen verlassen. Damals war Werner Appel 10 Jahre alt und in der 4. Klasse der Volksschule. Nie wieder hatte er die Gelegenheit und Muße, sich auf eine Schulbank zu setzen und sich so Wissen und Fähigkeiten anzueignen. Für ihn gab es kein Lernen für das Leben, das Leben selbst war der Lehrmeister für ihn. Und was war das für ein Leben!

Durch die Vermittlung seines Klassenkameraden Werner Gottwald und dessen Vater bekam Werner Appel den Job eines Spüljungen auf der „Vaterland“ der Köln-Düsseldorfer-Dampfschiffahrtsgesell-schaft (KD). Das war für den 10-jährigen nicht verkehrt, brachte auch ein bisschen Geld für die Familie, war aber nicht von langer Dauer. Denn dazu brauchte er ein Arbeitsbuch. Das bekam er auch vom Arbeitsamt hier. Aber darauf und darin war ein großes „J“ gestempelt – und dass hieß, dass es für Juden keine solche Arbeit gab.

Manchmal hatte Werner Appel in seinem Leben auch Glück. Dazu gehörte, dass ihn ein Bekannter seiner Mutter, der bei der Organisation Todt (OT) beschäftigt war, zur Arbeit mitnahm. So kam der kleine Werner bis nach Kiew in der Ukraine und war dort Kradmelder für die Organisation Todt. Aber auch das währte nicht lange. Schon bald fiel er den „Kettenhunden“ von der Wehrmacht wegen seines Alters auf - er so 13 Jahre alt – und wurde daraufhin zurückgeschickt. Auf abenteuerlichen Wegen und über den Balkan kam er schließlich wieder nach Koblenz zurück.

Dann hatte Werner großes und anhaltendes Glück. Als er sich bei Schaustellern am Deutschen Eck nützlich machen wollte, nahmen sich diese seiner an. Es war Theo Ehrhardt, der Werner Appel in seine Familie aufnahm und für sein Überleben sorgte. Werner Appel sagt immer wieder: „Theo Ehrhardt, das war ein Humanist“. Ehrhardt war – wie man heute so sagt – ein „stiller Helfer“ und hat für Werner Appels Überleben gesorgt und ihm damit das Leben gerettet. Was Werner Appel über Theo Ehrhardt und dessen Hilfe für ihn, aber auch für andere Verfolgte, wie etwa Zwangsarbeiter leistete, klingt wie eine kleine Räuberpistole, fast unglaublich – ist aber ganz und gar wahr. Die Befreiung vom Faschismus durch den Einmarsch der Amerikaner in Koblenz erlebte Werner Appel übrigens in einem Brennofen einer Ziegelei in Koblenz-Metternich. Dorthin hatte Theo Ehrhardt ihn gebracht, damit er nicht noch zum Schluss in Mörderhände fiel.

Auch für Werners Mutter und Schwestern sorgte Theo Ehrhardt. Er brachte sie in einer Hütte am Laacher See unter und versorgte sie regelmäßig mit Lebensmitteln. Als das zu gefährlich wurde, fand er für sie einen Unterschlupf in Niederfell. Dort versteckten sich die Schwestern in Weinkellern. Immer wieder mussten sie ihr Versteck wechseln, damit sie und ihre Helfer nicht entdeckt wurden.

Nach der Befreiung hielt Werner Appel nichts mehr im zerstörten Nachkriegsdeutschland. Sein Ziel war Palästina. Dazu gehörte ein „Revitalisierungs“- und Vorbereitungscamp in ehemaligen SS-Kasernen in Bergen-Hohne. Dann schiffte er sich in das damalige britische Mandatsgebiet Palästina ein. Werner Appel wurde Soldat in der sich im Aufbau befindlichen israelischen Armee. Er schien tatsächlich am Ziel zu sein, holte seine Mutter und seine Schwestern Ruth und Marlene nach, heiratete und gründete eine Familie. Dort kam auch seine Tochter Miriam zur Welt. Gern hätte ich Miriam Bieberstein und ihren Ehemann Peter hier herzlich willkommen geheißen, beide sind aber in ihrem Domizil in Spanien.

Zurück zu Werner Appel und dem jungen Staat Israel. Werner Appel schlug dort letztlich keine Wurzeln. Er war in Israel – wie er sagt – der „Jeckes“, der Deutsche und immer wieder der Deutsche – und erst in zweiter Linie der Jude. Daraufhin kehrte er Anfang der 1950er Jahre nach Deutschland zurück und wollte in Koblenz, seiner „alten Heimat“, endlich heimisch werden. Aber man ließ ihn nicht. Weil seine Frau Berlinerin war, schickte man ihn fort – „Geh’ doch rüber“. Wieder war Werner Appel höchst unwillkommen. Er brach von neuem auf und versuchte, Fuß zu fassen – diesmal in Berlin.

Der Anfang dort war sehr schwer. Werner Appel erhielt eine Anstellung beim Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee – als Chauffeur des Leichenwagens. Das war ein sehr harter Job für ihn, aber er biss sich durch. Als 1961 die Berliner Mauer die Stadt endgültig teilte, wechselte Werner Appel nach Westberlin und half mit, im Westen der Stadt einen jüdischen Friedhof neu aufzubauen. Schließlich wurde er Verwaltungsdirektor eines jüdischen Seniorenheims in Westberlin.

Im wohl verdienten Ruhestand, in dem sich Werner Appel seit nunmehr 25 Jahren befindet, lernte er seine heutige Frau Christel aus Frankfurt/Main kennen. Das Ergebnis war, dass Werner Appel zu ihr nach Frankfurt zog und dort wieder neu anfing. Seitdem ist sie eine treue Lebensgefährtin – ihr ist nichts zu viel für Werner und er wäre – wie er immer wieder sagt – heute nicht das, was er ist, wenn er sie nicht hätte. Es versteht sich, dass sie auch heute an seiner Seite ist. Auch Dir, Christel, ein ganz herzliches Willkommen hier in Koblenz.

Nach vielen Jahren – auch der Enttäuschungen – knüpfte Werner Appel wieder Kontakt zu Koblenz. Als er Mitte der 1990er Jahre von den von der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlich-keit organisierten „Heimatbesuchen“ erfuhr und dann auch eine Einladung erhielt, kam er wieder in seine Vaterstadt und war ihr Gast. Bis zum heutigen Tag hat er damit sich und seinen ihn begleitenden Angehörigen ein Stück Heimat zurückgeholt.

Immer wieder berichtete Werner Appel bei diesen „Heimatbesuchen“ vor einem interessierten Publikum über sein langes Leben und über die Lehren, die er daraus gezogen hat und anderen übermitteln will. In bester Erinnerung sind die Veranstaltungen in den Schulklassen und auch die Zeitzeugen-gespräche mit ihm im Rahmen der Gedenkveranstaltung zur 70. Wiederkehr der sog. Reichspogromnacht im November 2008 im Oberlandesgericht Koblenz sowie im Rahmen der vom Justizministerium veranstalteten Fortbildung für Richter und Staatsanwälte zum Thema „Justiz und Recht im Dritten Reich“.

Mehrere glückliche Umstände machten es dann im Sommer 2009 möglich, mit und über Werner Appel einen Dokumentarfilm zu seinem Leben zu drehen. Zwei Tage lang nahm er sich mit seiner Frau Christel im Hochsommer Zeit, mit Schülerinnen der Julius-Wegeler-Schule und Zeitzeugen durch das heutige Koblenz zu gehen und ihnen die Geschichte seines Lebens und das seiner Familie zu erzählen. Wir vom Förderverein Mahnmal Koblenz machten daraus einen einstündigen Dokumentarfilm mit dem Titel: „Werner Appel - Leben und Überleben in Koblenz 1933 – 1945“.

Eine große Freude und bestimmt auch ein Stück Genugtuung war es für Werner Appel dann, als er im Jahr 2011 für seine Gedenkarbeit und seine Lebensleistung das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen erhielt.

Auch danach war Werner Appel weiter als Zeitzeuge aktiv – man will fast meinen: erst recht. Ein Grund dafür war seine Aufnahme in den Zeitzeugen-Pool der Koordinierungsstelle für Zeitzeugengespräche im Unterricht in Rheinland-Pfalz. Dadurch wurde er auch in Schulen außerhalb von Koblenz verstärkt eingeladen.

Aus diesem Engagement hervorgegangen ist im Jahr 2012 die Facharbeit einer Schülerin vom Martin-von-Cochem-Gymnasium in Cochem/Mosel mit dem Thema: „Antisemitismus im Dritten Reich anhand eines Betroffenen“.

Es folgten weitere Zeitzeugengespräche auch außerhalb von Rheinland-Pfalz. Diese wurden vor allem durch die Landeszentrale für politische Bildung in Hessen für hessische Schulen vermittelt.

Noch vor kurzem führte die SWR-Redakteurin Stephanie Geißler ein längeres Interview mit Werner Appel in Frankfurt. Daraus entstand ein kleiner Bericht des Studios Koblenz, der im SWR zum Holocaust-Gedenktag 2018 gesendet wurde.

Die Zeitzeugenschaft ist ein nie nachlassendes Anliegen von Werner Appel. Immer wieder ruft er die Erinnerung wach an die Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung der Koblenzer und anderer Juden – wenn die Konfrontation mit der erlittenen Verfolgung ihn auch jedes Mal sehr berührt und mitnimmt. Auf Werner Appel trifft der Titel eines vor einigen Jahren erschienenen Buches mit Zeitzeugenberichten voll und ganz zu: „Fragt uns, denn wir sind die letzten….“

Aber er bleibt bei dieser Aufklärung über das dunkelste Kapitel unserer Geschichte nicht stehen. Werner Appel will – wenn auch in bescheidenem Rahmen – in die Gegenwart hineinwirken. Er will warnen vor den „neuen Ansteckungsgefahren“ und mahnen, gerade die Jugend, unsere demokratischen Institutionen weiter zu stärken und den Geist der Demokratie immer lebendiger zu halten. Werner Appel war und ist ein unentbehrlicher Zeitzeuge. Mit seiner Person und seinem Schicksal vermittelt er authentisch Geschichte und verknüpft in exemplarischer Weise die vergangene NS-Zeit und ihre Verbrechen mit der Gegenwart der Schüler und unserem gesellschaftlichen und politischen Sein heute.

Und Werner Appel hat auch für die Zeit „danach“ vorgesorgt. Er wird uns mit der Gedenkarbeit nicht allein lassen. Schon jetzt ist seine Lebensgeschichte in einem einstündigen Dokumentarfilm festgehalten. Das Schicksal seiner Familie und sein eigenes Leben sind in zwei Personentafeln in der Dauerausstellung des Fördervereins Mahnmal Koblenz, dessen Mitglied Werner Appel seit Jahren ist, in Wort und Bild festgehalten. Diese Dokumentationen sind auf der Homepage des Fördervereins Mahnmal Koblenz weltweit zu sehen. Über Veranstaltungen mit ihm – wie diese – wird nicht nur in Zeitungen berichtet, sondern auch auf der Homepage des Fördervereins Mahnmal Koblenz.

Für den Förderverein Mahnmal Koblenz, dessen stellvertretender Vorsitzender ich bin, möchte ich an dieser Stelle Dir, lieber Werner, meinen ganz herzlichen Dank für die jahrelange gute und freundschaftliche Zusammenarbeit sagen. In diesen Dank schließe ich auch alle Mitglieder Deiner Familie ein. Ganz herzliche Glückwünsche übermittle ich auch vom Vorsitzenden der Landesarbeitsgemeinschaft der Gedenkstätten und Erinnerungs-initiativen zur NS-Zeit im heutigen Rheinland-Pfalz, dem Bürgerbeauftragten des Landes Rheinland-Pfalz Dieter Burgard. Als sein Stellvertreter im Vorsitz der LAG möchte ich ihn entschuldigen. Wegen eines Mittagstermins in der Gedenkstätte SS-Sonderlager/KZ Hinzert und eines Nachmittagstermins in Berlin beim Institut für Antisemitismusforschung an der Technischen Universität in Berlin ist er zu seinem Bedauern gehindert, Dich persönlich zu beglückwünschen. Dieter Burgard hätte das sehr gern getan, zumal er ab Mai dieses Jahres der Antisemitismusbeauftragte des Landes Rheinland-Pfalz sein wird. So beglückwünsche ich Dich, lieber Werner, auch in seinem Namen und im Namen der mehr als 60 Mitglieder der Landesarbeitsgemeinschaft.

Und auch ich persönlich beglückwünsche Dich, lieber Werner, zur Verleihung des Pater Paul Eisenkopf-Preises der Christlich-Jüdischen Gesellschaft für Brüderlichkeit. Diese Auszeichnung würdigt Deine Lebensleistung in fast 90 Jahren und Dein unermüdliches Engagement gegen das Vergessen und Deinen Einsatz für unsere Werte und die Demokratie – gestern, heute und auch morgen. Du kannst sein und bist es auch: ein Vorbild für die Jugend und für uns Jüngere überhaupt: sich nicht unterkriegen zu lassen, - wenn nötig – immer wieder neu anzufangen und für ein friedliches Miteinander zu werben und auch zu kämpfen. Wie heißt es so treffend: „Wer kämpft, kann auch verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren!“ Für mich – und vielleicht auch für Dich – ist diese Preisverleihung auch ein Stück Heimkehr und – soweit überhaupt nötig - Versöhnung. Mit dieser Ehrung in Koblenz kehrst Du symbolisch in Deine Vaterstadt zurück und wirst hier angenommen in der Stadt, in der Du vor 70 – 80 Jahren diskriminiert und verfolgt wurdest, in der Deine Familie viel erleiden musste und die Stadt, die nach der Befreiung Dich los werden wollte und Dich nach Berlin abschob. Nach alledem und vielen Jahren bist Du, lieber Werner, hier – zusammen mit Deiner Familie – in der „guten Stube“ von Koblenz angekommen und wir alle zollen Dir Anerkennung und Respekt und danken Dir für Deine Lebensleistung. Vielen Dank!


Anschließend bedankte sich Werner Appel für die Preisverleihung.



Foto: Werner Appel

Einen sehr schönen musikalischen Rahmen fand die Feierstunde mit Musikstücken des Klarinettenduos Charlotte Dohr und Muriel Backmeyer von der Musikschule Koblenz.



Foto:  Wegen technischer Probleme des Fotografen ist hier nur Charlotte Dohr zu sehen


Foto: Die Preisverleihung war zugleich auch ein kleines Familientreffen. Zur Ehrung des Preisträgers Werner Appel (rechts), der mit seiner Ehefrau Christel (ganz links) aus Frankfurt/Main kam, waren auch seine ältere Schwester Ruth Homrighausen aus der Nähe von München und seine jüngere Schwester Marlene Berger gekommen.



 
Lesen Sie HIER auch den Artikel im „Schängel“ Nr. 11 vom 14. März 2018, Seite 7.

Lesen Sie HIER den Artikel in der Rhein-Zeitung – Ausgabe Koblenz – vom 12. März 2018.

Solange in der Mediathek vorgehalten HIER der Bericht von TV-Mittelrhein zur Eisenkopf Preisverleihung


 

Vor 75 Jahren: Die Deportation von 149 Sinti aus Koblenz und Umgebung nach Auschwitz-Birkenau.

In diesen Tagen jährt sich zum 75. Mal die Deportation rheinischer Sinti in das "Zigeunerlager" von Auschwitz-Birkenau. Nachdem am Tag zuvor die Koblenzer Sinti in der Hilda-Schule in der südlichen Vorstadt gesammelt worden waren, wurden sie am 10. März 1943 zum Hauptbahnhof in Koblenz geschafft und mit einigen wenigen Personen aus Trier in das Messelager von Köln-Deutz transportiert. Dort war der Sammelplatz für die westdeutschen Sinti. Entsprechend dem "Auschwitz-Erlass" des "Reichsführers-SS und Chefs der Deutschen Polizei" Heinrich Himmler vom 16. Dezember 1942 verschleppte man sie in einen speziellen Bezirk des Konzentratiuons- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau, in das sog. Zigeunerlager. Diese Deportation  war der lokale Ausschnitt aus dem Völkermord an den Sinti und Roma.
 
An dieses Geschehen vor 75 Jahren und seine Vorgeschichte erinnert ein Zeitungsartikel, den unser stellvertetender Vorsitzender Joachim Hennig verfasst hat.
 
Lesen Sie HIER den Artikel im "Schängel" vom 7. März 2018

Update 18.03.2018

Lesen Sie HIER auch den Artikel in "Blick aktuell" - Ausgabe Koblenz - vom 15. März 2018, Seite 3 über die Gedenkveranstaltung am Mahnmal für die Koblenzer Sinti am 10. März 2018

Einladung zum Vortrag mit dem Thema "Die Bestrafung von NS-Juristen einschließlich der Personalpolitik in Rheinland-Pfalz".

Unser stellvertretender Vorsitzender Joachim Hennig hält am Dienstag, dem 27. Februar 2018, um 19.00 Uhr in Mainz einen Vortrag mit dem Thema "Die Bestrafung von NS-Juristen einschließlich der Personalpolitik in Rheinland-Pfalz". Er ist Teil einer Veranstaltung zum Thema "Justiz und NS-Prozesse in den 60er Jahren". Hierzu lädt die Landeszentrale für politische Bildung mit dem nachfolgenden Schreiben ein:
 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Landeszentrale für politische Bildung lädt Sie am Dienstag, dem 27. Februar 2018, um 19.00 Uhr zu einer Veranstaltung zum Thema "Justiz und NS-Prozesse in den 60er Jahren" herzlich ein.

Über "Fritz Bauer und der Auschwitz-Prozess" wird Prof. Dr. Sybille Steinbacher referieren. Prof. Dr. Steinbacher ist Direktorin des Fritz Bauer Instituts und Inhaberin des Lehrstuhls zur Geschichte und Wirkung des Holocaust. Joachim Hennig wird ergänzend über die Thematik "Die Bestrafung von NS-Juristen einschließlich der Personalpolitik in Rheinland-Pfalz" informieren. Er ist Stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus in Koblenz e.V. und war von 1977 bis 2013 Richter im Dienst des Landes Rheinland-Pfalz.

Die Veranstaltung bildet den Auftakt zum Schwerpunkt "1968" der Landeszentrale für politische Bildung. 50 Jahre 1968 sind für die Landeszentrale für politische Bildung Anlass, mit einem Programmschwerpunkt "1968" und einer Vielzahl von Veranstaltungen von Februar bis Mai zu informieren und zu reflektieren. Den Programmflyer zum Schwerpunkt "1968" finden Sie in der Anlage auch als pdf-Datei.

Bei den Protesten von '68 und davor ging es in Deutschland auch um die unzureichende Aufarbeitung und Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte. Die Ohrfeige von Beate Klarsfeld an Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger im Jahr 1968 war sicherlich ein sichtbares, wenn auch umstrittenes (deutsch-französisches) Symbol der Anklage von Seiten auch der 68er.

Die Auschwitz-Prozesse hatten 1963 bis 1965 mit dem ersten großen Prozess in Frankfurt begonnen. Der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer hatte zuvor beim Bundesgerichtshof erreichen können, das Landgericht Frankfurt am Main als Ort für den Auschwitz-Prozess zu bestimmen. Bis zum Jahr 1968 wurden anschließend drei Auschwitzprozesse durchgeführt, 1965 bis 1966 sowie 1967/1968. Weitere folgten.

Eine Anmeldung zur Veranstaltung ist per E-Mail unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder online auf der Homepage der Landeszentrale für politische Bildung (unter Veranstaltungen) möglich.

Die Veranstaltung findet in der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz in Mainz, Am Kronberger Hof 6 in 55116 Mainz statt.

Über Ihr Interesse und Ihr Kommen freuen wir uns!

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Landeszentrale für politische Bildung
 

Lesen Sie HIER den Flyer zu dieser Veranstaltung


 

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