Foto: Holger Weinandt (Koblenz, Germany) 12.07.2011  Lizenz cc-by-sa-3.0-de

 

 

Selma wird am 23. Juni 1899 in Kobern als Tochter des Kaufmanns Samuel Grünewald und seiner Ehefrau Susanne, geb. Mayer geboren. Ihr 1859 in Waldgirmes geborener Vater ist lange Jahre Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Kobern. Er stirbt am 19. November 1933 in Kobern. Seine Witwe lebt mit der Tochter Selma weiterhin in Kobern, Mühlengraben 10. Im Haus wohnt auch der ältere Sohn und Bruder Julius mit seiner Frau und Tochter. Er ist Viehhändler.

Sommer 1935  Selma wird von einer Nachbarin denunziert, weil sie sich kritisch über Verbrechen der Nazis äußert. Das gegen sie eingeleitete Verfahren vor dem Sondergericht Köln wird eingestellt.

15. September 1935  Auf dem sog. Reichsparteitag der Freiheit in Nürnberg werden die Nürnberger (Rassen-) Gesetze erlassen. Sie verbieten u.a. den außerehelichen Verkehr zwischen Juden und „Ariern“.

1936
Bruder Julius gerät in das Fadenkreuz der Nazis und Justiz, als er seine Außenstände bei einer verwitweten Bauersfrau einzutreiben versucht. Er erhält sechs Monate Gefängnis.

1937
Nach Verbüßung der Haftstrafe wandert er mit Frau und Kind nach Südafrika aus. Im folgenden Jahr werden sie ausgebürgert, ihr Vermögen verfällt dem Deutschen Reich. Selma und ihre Mutter bleiben in Kobern wohnen und leben von der öffentlichen Fürsorgeunterstützung.

Anfang 1938  Selma und ihre Mutter beabsichtigen auszuwandern. Ihre Reisepässe werden eingezogen.

August 1938  Die Ortspolizei von Winningen zeigt Selma an, weil sie angeblich eine Fremdenpension für Juden betreibt. Das stellt sich als falsch heraus. Das Haus wird aber weiter überwacht.

15. November 1938  
Beide Frauen werden, registriert. Ziel ist es, „arbeitsschwache“ und kranke Juden in Altersheimen und Krankenanstalten unterzubringen und „Arbeitsfähige“ zum Arbeitseinsatz zu zwingen.

1. Januar 1939
 Selma und ihrer Mutter wird die öffentliche Fürsorgeunterstützung entzogen.

Herbst 1939 
Selma Grünewald wird weiter von der Ortspolizei Kobern überwacht. Diese hat den „dringenden Verdacht“, dass sie sich mit „deutschblütigen Männern herumtreibt“.

16. Oktober 1939  Sie zieht nach Düsseldorf um. Dort lebt inzwischen ihre Mutter in einem Gemeindehaus der jüdischen Kultusgemeinde. Selma wird in ein „Judenhaus“ eingewiesen, in dem Juden auf engem Raum leben müssen. Sie muss „Pflichtarbeit für Juden“ leisten.

4. Juni 1940  Aus nicht bekannten Gründen kommt Selma Grünewald in das Gefängnis von Düsseldorf.

Sommer/Herbst 1940  Aus der Haft wird sie in das Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück verschleppt.

2. November 1940  Auf Ersuchen des Reichssicherheitshauptamtes bringt man sie nach Leipzig ins Gefängnis. Das geschieht offenbar im Zusammenhang mit einem Prozess.

30. November 1940 Selma wird aus Leipzig in das Frauen-KZ Ravensbrück zurücktransportiert.

Anfang 1942  Im KZ beginnt die „Sonderbehandlung 14f13“. Zahlreiche „arische“ und die allermeisten jüdischen Frauen werden von Ravensbrück in der Tötungsanstalt Bernburg an der Saale verschleppt und dort mit Giftgas ermordet.

15. März 1942  Das KZ Ravensbrück benachrichtigt Selmas Mutter, dass ihre Tochter gestorben ist. Sehr wahrscheinlich wurde auch Selma Grünewald an einem nicht bekannten Tag in die Tötungsanstalt Bernburg gebracht und dort getötet.

15. Mai 1942  Das Standesamt beurkundet Selma Grünewalds angeblichen Tod im Frauen-KZ Ravensbrück.

21. Juli 1942  Selmas Mutter wird in das Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und kommt dort
um.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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